Der trialogische Podcast der Eckhard Busch Stiftung
00:00:09: Willkommen bei Redselig, dem trealogischen Podcast
00:00:11: der ERK-Buschstiftung.
00:00:12: Runde und psychische Krisen, Erkrankungen gegen das Stigma mit betroffenen Angehörigen und Expertinnen.
00:00:18: In dieser Folge sage ich ganz herzlich willkommen
00:00:21: zu
00:00:21: Frau Dr.
00:00:22: Ulrike Schultheis, Chefärztin an der LVR-Klinik hier in Köln.
00:00:25: FachärztIn für psychosomatische Medizin und Psychotherapie und mit dem Schwerpunkt im Bereich akute und komplexe Traumafolgestörung.
00:00:34: Und darüber wollen wir heute sprechen!
00:00:36: Hallo, Frau Schulter.
00:00:37: Schön, dass Sie da sind!
00:00:39: Und Sie sind... Da haben wir eben schon mal drüber gesprochen.
00:00:42: Sie sind ja nicht das erste Mal Gast bei Rätselig.
00:00:44: Sie haben schon mit Paula Messler eine Episode zur psychosomatischen Medizin-Zweitausendfünfundzwanzig aufgenommen.
00:00:51: Also kennen sie das hier schon ganz genau.
00:00:54: und Ja, es ist so.
00:00:56: zu Trauma haben wir noch nie eine Folge gemacht.
00:00:59: Traumatische Erlebnisse können das Leben grundlegend verändern – manchmal sofort spürbar und erst Jahre später.
00:01:06: Aber was genau ist ein Trauma?
00:01:08: Wie zeigt es sich im Alltag der Betroffenen?
00:01:11: Welche Wege gibt es in die Heilung?
00:01:14: All das wollen wir heute mal ein bisschen erkunden!
00:01:17: Und vielleicht fangen wir einmal damit an….
00:01:20: Was ist eigentlich ein Traume?
00:01:23: Vielfach strapazierter Begriff aktuell.
00:01:27: Alles ist immer gleich irgendwie traumatisch, aber was ist es jetzt wirklich?
00:01:30: Was ist ein Traumermedizinischen Sinn und wann spricht man von einem traumatischen
00:01:34: Ereignis?
00:01:36: Wir haben ja die Diagnosemanuelle nachdem wir uns richten müssen wenn wir tatsächlich eben die Diagnosen vergeben wollen rund um die traumatischen Erreignisse oder vergeben müssen dass die Definitionen, die wir in diesen Diagnosemannualen haben sind aber letzten Endes leider durchaus auch noch immer sehr schwammig.
00:01:57: Und ich sage jetzt mal im ICD-ILF ist es eben ein Ereignis von einem schrecklichen Ausmaß, indem eben Leib und Leben bedroht sind.
00:02:09: Aber Aus klinischer Sicht ist diese reine Beschreibung des Ereignisses nicht ausreichend, sondern wir müssen dabei berücksichtigen wie sich die Menschen in der Situation erlebt haben.
00:02:21: früher durchaus eben auch Teil der Definition, zumindest im amerikanischen Diagnose-Manual.
00:02:27: Nämlich dass wir in dieser Situation die Leib und Leben bedroht uns ohnmächtig fühlen und keine Kontrolle mehr über diese Situation haben und das ein wesentlicher Punkt dessen ist was ein Ereignis zu einem potentiell traumatisierenden Eregnis macht.
00:02:46: Jetzt kann das ja, ich komme da mal gleich zu einer Frage die mich auch in der Vorbereitung sehr beschäftigt hat.
00:02:51: Kann es ja sehr unterschiedlich sein?
00:02:53: Es gibt ja Leute für die ist eine Situation absolut traumatisch und fühlt sich lebensbedrohlich an dem er gesagt das kann sich muss sich so anfühlen und für andere ist es das gar nicht.
00:03:03: wie erkläre ich dass?
00:03:06: also wieso gibt es Menschen die auf das eine Ereignis reagieren oder die anderen
00:03:09: unter Umständen gar nicht?
00:03:11: Es hat natürlich schon etwas mit den Erfahrungen zu tun, die Menschen gemacht haben.
00:03:17: Aber das was es wirklich zu diesem Ob ich das als lebensbedrohlich erlebe oder nicht, hat tatsächlich oft viel mehr mit dem zu tun wie handlungsfähig bleibe in der Situation.
00:03:31: da ist auf der Unterschied und nicht so sehr indem nehme ich ein Ereignis als lebends bedrohlig war.
00:03:39: Wie ist es denn, gibt es unterschiedliche Arten von Traumata?
00:03:45: Wie unterscheiden sie sich?
00:03:46: und machen wir auch... Man hört immer wieder diesen Unterschied zwischen der Komplexen oder zwischen den komplexen Traumatan.
00:03:55: Wo's scheinbar mehrere sind und dem
00:03:57: Einzelnen.
00:03:59: Also es gibt auf jeden Fall verschriebene.
00:04:02: Wir sprechen vor allen Dingen, es macht einen großen Unterschied.
00:04:06: Ob es ein sogenanntes Manmade-Trauma ist oder eben Non-Manmade also immer da wo Interaktion zwischen Menschen eine Rolle spielt.
00:04:15: das macht einen grossen Unterschied weil es das Risiko dass daraus eine Traumavollgestörung entsteht deutlich höher ist als wenn's zum Beispiel ne Naturkatastrophe ist oder Ein Unfall ist.
00:04:28: dann das macht den unterschied hinsichtlich der Risikobewertung.
00:04:33: Und dann macht es noch einen Unterschied, ob es eben Menschen sind, die ich kenne, die mir das angetan haben oder ob es unbekannte Menschen gewesen sind.
00:04:44: und wenn wir von, ob wir jetzt eben von meinem Monotrauma sprechen?
00:04:49: Das sind oft so.
00:04:50: die Dinge, die uns zum Beispiel können uns natürlich auch in der Kindheit geschehen, aber da sprechen wir häufiger eher von dann so im Erwachsenenalter wenn ich eben einen Unfall erlebt habe ob für eines überfalls eines Angriffs geworden bin.
00:05:08: Aber wirklich bis dahin eigentlich mein Leben ganz normal gelaufen ist und ich das gelebt habe.
00:05:14: Und dann passiert mir so eine Situation.
00:05:17: unter komplexen Traumavorgestörungen verstehen wir eher die Traumvorgestörung, die sich entwickeln weil Menschen häufig sehr früh in ihrer Biografie auch über einen langen Zeitraum oder längeren Zeitraum zumindest verschiedene Ereignisse eben erlebt haben, die potenziell traumatisieren sind.
00:05:37: Was passiert denn im Gehirn
00:05:40: und im Körper bei so
00:05:42: einem Eregnis?
00:05:43: Also weil im Ereignis ist es ja noch nicht das Trauma, das entwickelt sich ja deshalb... Was passiert
00:05:50: da?
00:05:51: Das wissen wir eigentlich, das ist ganz gut untersucht.
00:05:54: Es ist auch eines der Dinge die mit am besten untersucht sind bei dem wenn wir über psychische Erkrankungen sprechen was passiert da eigentlich so ganz genau?
00:06:04: und es ist halt schon ein sehr komplexes System was da im Gehirn aktiviert wird wenn sie so wollen.
00:06:11: also es gibt verschiedene Bereiche Ich nenn es jetzt mal Akteure in so einer Situation.
00:06:19: Wir haben zum Beispiel die Amigdala, den Mandelkern – das ist unser sogenanntes Alarmzentrum.
00:06:27: Da geht jede Information, die reinkommt was wir sehen und hören, was wir riechen oder fühlen auf der Haut.
00:06:35: All diese Informationen werden in diesem Alarm Zentrum darauf hin überprüft ob sie potenziell gefährlich sind oder als gefährlich eingestuft werden oder nicht.
00:06:45: Und wenn dieses Zentrum Sie als gefährlich einstuft, dann aktiviert es den Körper sozusagen über das vegetative Nervensystem unsere normale Reaktion zu zeigen.
00:06:56: Kämpfen oder fliehen.
00:06:58: Das heißt der Blutdruck geht hoch die Atemfrequenz geht hoch, die Herzfrequenzen geht hoch.
00:07:02: alles was wir brauchen um die Muskeln zu aktivieren und sie so wollen umzukämpfen oder zu fliehnen.
00:07:09: Und zeitgleich dazu wird im sogenannten Hippocampus, der sieht aus wie ein Seepferdchen.
00:07:16: Deswegen nennt man den eben auch so diese Struktur.
00:07:20: da wird alles eingeordnet in Raum und Zeit also meint wegen ich höre einen Knall und er wird erst mal von meiner Amigdala als gefährlich eingestuft.
00:07:31: dann kommt aber in diesem Zentrum die Einordnung Wir sind im Jahr zwanzig sechsundzwanzig jetzt hier in ihren Räumen.
00:07:39: Und da wird wahrscheinlich eine Tür ins Schloss gefallen sein, also es wird erst einmal nicht als etwas Unmittelbar Gefährliches eingestuft.
00:07:48: und dann kommt die Überprüfung im Frontalhirn.
00:07:52: Da ist natürlich ein Schloss gefallen oder einem Handwerker ist was umgefallen.
00:07:55: Dann kommt die Beruhigung, kannst wieder runterfahren.
00:07:58: Dann fährt die Amigdala das System wieder runter.
00:08:01: Hinterher sagen wir vielleicht, hauchte habe ich mich aber erschrocken weil wir noch merken der Blutung ist noch hoch Aber zwei Minuten später haben wir es vergessen.
00:08:11: Wenn es aber tatsächlich gefährlich ist dann kommt es zu einer Blockade in diesem Hippokampus Und wir können nicht entscheiden ach wird schon nicht so gefährlich sein wenn die Einstufung wirklich ist Wir sind in einem Kriegsgebiet oder wir hören dann solche Geräusche, dann ordnen wir das anders ein.
00:08:33: Und dann kommt es zu einer Blockade in diesem Bereich.
00:08:35: und aus dieser Blockade wenn sie so wollen entsteht erst einmal die Symptomatik.
00:08:40: also Es ist eigentlich gar keine Symptomatik am Anfang nach einer potenziellen Traumatisierung, sondern es ist der Versuch des Gehirns damit umzugehen mit dem was er da jetzt gerade erlebt hat und auf die Gefahr zu reagieren.
00:08:55: Das
00:08:56: ist im Prinzip wie der Körper versucht zu regulieren einzuordnen und hofft zur Reagierung.
00:09:04: Was sind denn typische Symptome?
00:09:07: Also wir sind in der Regel eben erst einmal hoher Alarmbereitschaft, das heißt wir sind sehr geräuschempfindlich.
00:09:16: Wir können uns nicht so gut auf andere Dinge konzentrieren.
00:09:20: Wir sind sehr schreckhaft in der ersten Zeit in der Regel.
00:09:26: Wir haben das sogenannte Wiedererleben.
00:09:29: Das kann in Form von Bildern passieren die eben entweder als einzelne Bilder vor unserem inneren Auge auftauchen oder der Filmen der vor unseren Inneren Augen abläuft.
00:09:41: Es kann aber auch sein, dass ich Geräusche höre, Gerüche wahrnehme oder durchaus eben auch Körpersensationen die in dieser Situation da gewesen sind.
00:09:50: Ich die auch als Schmerz- oder Körpergefühl eben auch tatsächlich wieder erlebe.
00:09:57: Vermeideverhalten ist ein sehr klassisches Symptom das ich versuche natürlich... bzw.
00:10:03: das Gehirnversuch zu steuern, dass wir eben nicht wieder in solche Situationen kommen und dann versuchen solche Situation zu vermeiden bis dahin aber dass es sein kann, dass ich meine Wohnung gar nicht mehr verlassen oder Menschen meiden muss weil ich es nicht differenzieren kann ob das jetzt wirklich gefährlich ist oder nicht und mein Alarmsystem aber eben immer alarm meldet.
00:10:29: Jetzt ist es ja so, dass manche Traumata passieren oder die Ereignisse passieren und die Symptome treten erst Jahre später auf.
00:10:39: Wie erklärt
00:10:40: man das denn?
00:10:42: Es ist oft so, dass eben nach einem solchen Ereignis zwei drei Wochen ich all diese Dinge bei mir bemerke, die ich eben beschrieben habe und dann wird es so langsam aber sicher besser und es beruhigt sich und bis dahin, dass ich tatsächlich eben ganz Beschwerde frei werden kann durchaus.
00:11:05: Und dann kann es zum einen passieren, wenn das nicht wirklich ausgeheilt ist, dass es aber reaktiviert wird, wenn mir etwas Ähnliches wieder passiert nach Jahren?
00:11:19: Dann kommt unser Gehirn stellt uns immer zur Verfügung, wenn es etwas schon kennt.
00:11:25: Weil es dann oft für uns leichter ist damit irgendwie umzugehen und dann wird vielleicht eben dieser Bereich wieder reaktiviert weil ich etwas Ähnliches erlebt habe.
00:11:34: das ist möglich.
00:11:37: Es gibt so etwas wie sogenannte Dissoziationsbarrieren.
00:11:42: Das heißt unser Gehirn hilft uns dabei mit solchen Situationen zurechtzukommen.
00:11:49: nehmen sie die eben in einen Bereich wegschiebt, indem wir keinen Zugriff haben.
00:11:59: Woran es liegt?
00:12:00: Warum Dissoziationsbarrieren fallen?
00:12:03: Da gibt's verschiedene Gründe.
00:12:05: Es scheint auch tatsächlich alter eine Rolle zu spielen und die klinische Beobachtung ist dass oft so ab vierzig diese Dissoziation barrieren weniger werden.
00:12:17: Jetzt muss ich mal ganz kurz da reingehen, nur damit ich das richtig verstehe.
00:12:20: Heißt dass zum Beispiel es passiert was im Kindesalter dann fällt die Dissoziationsbarriere und
00:12:27: erst
00:12:27: später passiert wieder irgendwas?
00:12:30: Und auf einmal erinnere ich mich an Ereignisse in der Kindheit
00:12:33: ist es sowas.
00:12:34: Das kann sein aber es kann auch tatsächlich sein ohne dass wieder etwas passiert also dass plötzlich eben weil diese Dissoziation barrieren weniger werden oder fallen nicht das plötzlich eben Erinnere.
00:12:47: Oder aber, was eben auch viele Menschen berichten ist.
00:12:50: Wenn ich eigene Kinder oder in der Umgebung Kinder im ähnlichen Alter die so heranwachsen und wenn sie dann in ein alter kommen indem mir selber vielleicht sowas passiert ist dass dadurch Dinge wieder reaktiviert werden und plötzlich Erinnerungen daran wieder auftauchen
00:13:10: Wie stellen Sie denn als Therapeutin fest ob jemand wirklich traumatisiert ist?
00:13:17: Also ich sage immer, wir sind Gott sei Dank ja keine Detektive.
00:13:22: Und das heißt, wir müssen jetzt nicht nachweisen dass es tatsächlich dieses traumatische Ereignis gegeben hat sondern wir schauen erst einmal in allererster Linie womit kommen die Menschen zu
00:13:34: uns?
00:13:35: und genau was sind die Beschwerden?
00:13:38: Wo sind die Schwierigkeiten?
00:13:39: Was macht vielleicht den Alltag schwierig?
00:13:44: berichten das von sich aus ja schon dann, dass da eben so was passiert ist.
00:13:49: Mit der entsprechenden Erfahrung denkt man aber vielleicht selber dran und fragt sich könnte es auch sein, dass auch das vielleicht eine Rolle spielt?
00:13:59: Und dann würde ich aber auch nicht jetzt so lange fragen bis ich irgendwas gefunden habe sondern ich frage jeden nach seiner Biografie.
00:14:08: Ich frage jedem jede danach ist so gewesen.
00:14:14: Wie war Ihre Lebensgeschichte?
00:14:17: Denn wir sind die, die wir sind.
00:14:18: So sind wir geworden aus unserer Lebensgeschicht heraus und manchmal taucht dann da schon was auf.
00:14:25: Manchmal auch nicht und man behält es im Hinterkopf und beobachtet das einfach und guckt wie sich entwickelt ob es eben traumatische Ereignisse gegeben hat weil die in der Therapie natürlich dann schon viel ausmachen.
00:14:38: Jetzt kann es sein dass jemand merkt Irgendwie geht es mir nicht gut.
00:14:43: Ich habe die Symptome, aber noch gar nicht an das Ereignis rankommen.
00:14:47: mit dem was Sie eben gesagt haben, dass vielleicht gar nicht so bewusst ist, dass da etwas war...
00:14:51: Ja, das
00:14:52: gibt es.
00:14:53: Wir haben zum Beispiel wo wir immer hellhörig werden sind wenn Menschen berichten, dass sie Lücken haben, erste Erinnerungen erst mit zwölf Jahren anfangen und sie gar keine Erinnerung an die frühe Kindheit haben oder dass ihnen Jahre fehlen, dann muss man hellhörig werden in der Diagnostik.
00:15:14: Man muss sich fragen okay was muss unser Wofür schützt dieses Gehirn diesen Menschen sozusagen und muss es in der Art wie ich dann behandle und in der Artertherapie berücksichtigen ohne jetzt aber etwas aufzudecken wo von dem Mensch noch gar nicht weiß das ist überhaupt
00:15:34: da ist.
00:15:35: Ich weiß es ja nicht, das ist
00:15:36: nur eine Vermutung.
00:15:37: Ja und man kann auch nichts hineininterportieren.
00:15:40: Das müssen wir vermeiden auf jeden Fall.
00:15:42: Es ist denn auch so, dass gewisse Traumavollgestörungen übersehen werden weil ich sage mal da her auch wahrscheinlich eine Menge Charme mitspielt und die Menschen das selber nicht richtig einordnen können also vielleicht den Gang zum Facharzt gar nicht wählen.
00:16:02: Ich stelle mir gerade vor, dass es unter Umständen eine Erkrankung ist mit einer doch auch nicht unerheblichen Dunkelziffer.
00:16:11: Ja also da würde ich sagen das hat sich in den letzten zwanzig Jahren deutlich verändert und das ist Gott sei Dank wirklich etwas geworden wo Menschen sich zunehmen Trauen drüber zu sprechen und zumindest eben im fachärztlichen Kontext durchaus auch davon berichten zum Arzt gehen, weil es durchaus auch die Aufklärungsquote zunehmend einfach besser wird.
00:16:38: Und dennoch wird's natürlich häufig übersehen gerade dann wenn es sich erst einmal über körperliche Symptome äußert wo man dann oft nicht so unbedingt dran denkt dass das sein könnte.
00:16:53: Schmerzen oder auch Symptomen im Uruginitaltrakt sind häufig auf dem Boden einer Traumofolgestörung entstanden und da denkt man nicht so dran.
00:17:05: Oder auch zum Beispiel bei Angsterkrankungen, weil die Ursache für diese Angst erst mal vielleicht gar nicht erinnert wird oder der Zusammenhang nicht hergestellt wird und dann wird es behandelt wie eine neurotische Angststörung und dabei sieht man gar nicht dass es einen realen Hintergrund gibt.
00:17:25: Der muss natürlich ganz anders adressiert werden und dadurch entsteht dann oft auch eine Schieflage.
00:17:32: Und es gibt aber letzten Endes auch bei den Depressionen, bei den Essstörungen oder bei den Suchterkrankungen ist es ja häufig so dass die erst mal im Vordergrund stehen und gar nicht so sehr die Traumatisierung und das dann erst im Laufe der Behandlung
00:17:48: raus kommt.
00:17:49: Das ist genau die Frage, wie grenzen Sie das denn dann ab?
00:17:53: Wahrscheinlich genauso wie sie es gerade geschildert haben.
00:17:56: Derjenige kommt mit dieser
00:17:57: eigentlich
00:17:58: der anderen Erkrankung zuerst und den Symptomen und dann muss man sehr sensibel gucken liegt da nicht vielleicht noch was anderes mit drin?
00:18:07: ganz genau also es kommt dann sehr darauf an welche Symptomatik steht denn jetzt eigentlich im Vordergrund Und wo müssen wir anfangen Und wenn jetzt jemand eine schwere Suchterkrankung hat, dann muss die natürlich einfach zuerst behandelt werden.
00:18:22: Und irgendwann kommt natürlich vielleicht der Punkt wo es dann schwierig wird, wenn ich nicht die Ursache, vielleicht die frühe Traumatisierung mit reinnehme, dann wird das auch richtig schwer aufzugeben weil dann kommt die Trauma-Syntomatik und wird viel intensiver und die kann ich wieder deckeln, wenn Ich wieder zum Alkohol oder zu den Substanzen greife.
00:18:43: und da muss man
00:18:44: Was ja letzten Endes auch ein bisschen zeigt, das Verstehen der eigenen Geschichte hilft da auch ein Stück auf den Weg.
00:18:53: Auf jeden Fall und es ist natürlich auch für uns Menschen wenn ich etwas verstehe und wenn ich verstehe warum handle ich so oder warum empfinde ich so?
00:19:07: Oder warum erlebe ich das so dann macht... Da nimmt uns das viel Stress, viel Druck und dann geht es uns oft auch schon mal viel besser.
00:19:15: Deswegen ist dieses Verstehen, das ist logisch dass ich so empfinde oder so handle bei dem was mir passiert ist auf ein ganz wichtiger Schritt.
00:19:26: Ich finde es nimmt... also mich kann das sofort nachvollziehen, das verstehen dein großer Bestandteil, ich find nimm
00:19:32: einen Teil der
00:19:32: Ohnmacht.
00:19:33: Ich weiß zwar immer noch so aber ich verstehe den Zusammenhang Und fühl mich dem vielleicht nicht mehr ganz so ausgeliefert, als wenn ich Spielball essen wäre und es nicht
00:19:45: verstehen.
00:19:46: Absolut!
00:19:47: Gehen wir mal einen Schritt in Richtung Therapie.
00:19:51: Es gibt ja ambulante und stationäre.
00:19:54: Was ist der grundlegende Unterschied?
00:19:56: Gibt es Menschen wo sie sagen würden die müssen auf jeden Fall erst einmal stationär?
00:20:02: Wie sieht das
00:20:03: aus?
00:20:06: Also es kommt kann man glaube ich zu generell erst mal sagen, sehr darauf an wie chronifiziert eine Erkrankung schon ist.
00:20:20: Ob noch eine ambulante Behandlung erstmal ausreichend ist oder ob schon eher früher
00:20:28: auch
00:20:29: eine stationäre Behandelung zu empfehlen ist.
00:20:32: und gerade im Traumabereich kommt es ja auf die zusätzlichen Erkankungen an die oft eher der Grund dafür sind, dass man früher stationäre Therapie empfiehlt.
00:20:46: Also zum Beispiel die Essstörungen oder die Suchterkrankung, das ist dann oft eher auf der Aufnahmegrund zu sagen wir müssen es stationär machen.
00:20:56: Ich glaube es lässt sich gar nicht so generell sagen Dann macht man besser ambulant oder dann macht man bessertagesklinisch oder stationäre therapie.
00:21:04: ich würde mal so anfangen.
00:21:05: Der große unterschied liegt zum einen natürlich in der Intensität zumindest über diesen Zeitraum, dass ich eben bei der ambulanten Therapie in der Regel einmal in der Woche die fünfzig Minuten habe um über die Dinge zu sprechen und wenn ich eine stationäre oder teilstationäre Behandlung mache.
00:21:26: Ich viel mehr Zeit am Tag habe über einen sehr verdichteten Zeitraum auch verschiedene Therapieansätze habe.
00:21:37: Also nicht nur in Anführungsstrichen darüber spreche, sondern auch oft eben noch die Kunsttherapie habe, die Körpertherapies und ich auch die Gruppe habe.
00:21:47: Und nicht nur das was ich in einer ambulanten Therapie, in einer einzelnen Therapieambulant können wir nur über das sprechen was Ich einbringe.
00:21:58: In einer Gruppentherapie oder in einer stationären tageslinischen Behandlung bringen auch die anderen was ein und ich höre Dinge, von denen ich vielleicht vorher gar nicht wusste dass das auch eine Rolle bei mir spielen könnte.
00:22:10: Und jetzt gar nicht im Sinne von Ich gehe noch mit zusätzlichen Belastungen raus sondern ich verstehe viel mehr von dem was bei mir los ist über die anderen, die auch noch da sind.
00:22:23: Da sehe ich den großen Unterschied.
00:22:28: Es kann halt total hilfreich sein, auch über die Interaktion mit den Mitpatienten in einem stationären Aufenthalt viele Dinge nochmal wieder neu üben zu können weiterzukommen.
00:22:41: Ich würde eher so da den großen Unterschied sehen.
00:22:45: was steht im Vordergrund?
00:22:46: Welche Symptome stehen bei mir im vordergrund und was brauche ich jetzt dann unter dem Aspekt?
00:22:53: Gibt es eigentlich also wahrscheinlich...ich nehme mal fast an nur für Erst, also wie die Depression oder die Angsterkrankung?
00:23:00: gibt es irgendwelche Psychopharmaka mit denen man das unterstützen
00:23:03: kann?
00:23:05: Also dass Trauma- oder die Traumavolgestörungen sind ursächlich über Psychopharmaika nicht zu erreichen und man versucht eigentlich auch so lange wie möglich eher ohne auszukommen im akuten Bereich auf jeden Fall.
00:23:22: Wenn jetzt jemand einen Autounfall oder ein Überfall erlebt hat gerade weil Wir ja sagen, die Symptome sind der ist ja erstmal gar nicht krank.
00:23:32: Sondern das Gehirn versucht jetzt erst mal mit dem umzugehen was den Menschen da gerade passiert ist.
00:23:38: und wenn ich dann ein Medikament brauche das kann ja nicht sein medikamente brauche ich mich krank bin.
00:23:43: also dass es eine Botschaft die wir nicht vermitteln wollen Und wir wollen ja auch Selbstwirksamkeit herstellen weil das ist die Antwort auf den Kontrollverlust und die Ohnmacht in dem Erlebten.
00:23:55: Und deswegen ist man prinzipiell, solange es geht und so gut es geht mit Medikamenten bei den Trauma-Vorgeerkrankungen eher zurückhaltend.
00:24:05: Es gibt Situationen in denen man Symptome natürlich durchaus versucht auch über Medikamente erst mal zu adressieren... Manchmal auch überhaupt eine Psychotherapiefähigkeit herzustellen.
00:24:17: Das kann schon nötig sein!
00:24:20: Was gibt es denn für therapeutische Verfahren?
00:24:24: eingesetzt werden.
00:24:25: Also ich denke da ist mal sowas wie EMDR, aber erzählen
00:24:31: Sie mal was?
00:24:32: Für die Traumatherapie ist es am explizitesten so beschrieben dass sie letztlich in drei Phasen verlaufen sollte nämlich eben der Stabilisierung, der Konfrontation und der Reorientierung.
00:24:47: Und dann gibt es natürlich Intervention in diesen beiden großen Schulen der Faltenstherapie und der Psychodynamik, die eben an diese Phasen sozusagen angepasst sind.
00:25:02: Und ich sage jetzt mal wenn wir noch in der stabilisierenden Phase sind, die kann unterschiedlich lange dauern.
00:25:10: manchmal reichen zwei drei Sitzungen, in denen ich ein bisschen was erkläre und den Menschen ein bisschen wieder Handlungsspielraum gebe und dann kann ich sehr früh eine Konfrontation einsteigen.
00:25:23: wenn Menschen zum Beispiel häufig dissoziieren und sobald die Emotionale Belastung zu hoch wird, sie sowieso aussteigen.
00:25:34: Dann kann ich auch nicht konfrontieren weil Sie wissen von der Stunde gar nichts mehr.
00:25:37: also dann muss sich erstmal natürlich diese Dinge bearbeiten und an diesen Stellen erst mal stabilisieren.
00:25:46: Und da gibt es jetzt ein ganz wesentlicher Bestandteil, ist die sogenannte Psycho-Education.
00:25:53: Also den Menschen erklären was ist da eigentlich los?
00:25:55: Was passiert da?
00:25:56: Was ist im Gehirn passiert?
00:25:57: Was passiert jetzt?
00:25:59: Dass sie sich einfach gut verstehen.
00:26:01: und dann ist in dieser Phase oft Symptomkontrolle ein ganz wichtiges.
00:26:08: wichtiger Aspekt, also Distanzierungstechniken zu lernen wie ich Bilder stoppen kann.
00:26:14: Wie ich meinen Schlaf verbessern kann und mich selber beruhigen kann das sind oft erst mal wichtige Interventionen, die ich lernen muss damit ich das selber kann bevor ich mich nochmal mehr mit dem Trauma beschäftige.
00:26:30: Und dann gibt es eben wenn wir in die Konfrontation einsteigen verschiedene Verfahren.
00:26:35: eines davon ist eben EMDR sicherlich auch eine sehr effektive Methode auch gut erforscht und inzwischen auch wirklich sehr differenziert einzusetzen, je nachdem wie viel Belastung möglich ist.
00:26:54: Ich kann das auch durchaus vorsichtiger und schonender einsetzen.
00:26:57: Das war in den Anfängen vom RMD nicht immer so.
00:27:00: Da war es schon eine hohe Belastungen für die Menschen.
00:27:03: aber das lässt sich inzwischen wirklich gut differenzieren.
00:27:08: Es gibt aber eben durchaus andere Verfahren.
00:27:13: psychodynamischen Traumatherapie kommen, die mit denen ich konfrontieren kann und konfrontiert bedeutet ja.
00:27:21: Ich muss das Erlebte mit allem was dazugehört, sprich die Bilder, die Emotionen und Gedanken.
00:27:31: Die muss sich wieder zusammenbringen.
00:27:33: Das muss als ein Ganzes vom Gehirn verarbeitet werden.
00:27:38: dann kann es Wir nennen das integriert werden, also in Raum und Zeit richtig eingeordnet werden.
00:27:44: Dann erinnere ich das noch aber es fühlt sich nicht mehr so an als wäre sie hier und jetzt sondern dann weiß ich immer dass ist aber schon zwanzig Jahre her.
00:27:53: Das ist das was wir erreichen wollen diese Integration.
00:27:56: und dazu muss ich eben diese Bilder Gedankengefühle zusammenbringen.
00:28:01: und da gibt's verschiedene Möglichkeiten und Methoden zum Beispiel aus der psychodynamisch imaginativen Traumotherapie, die sogenannte Screen-Technik ist ein Verfahren mit dem ich auch sehr gut konfrontieren kann oder eben eher aus der verhaltenen therapeutischen Richtung wieder eben die narrative Expositionstherapie.
00:28:27: Das sind so Beispiele neben dem EMDR zur Konfliktation.
00:28:32: was der Name sagt.
00:28:34: Man erzählt es genau immer und versucht über das Erzählen, eben das Erregungsniveau runterzufahren.
00:28:41: Vielleicht sagen Sie auch nochmal zwei oder drei Sätze zu EMDR und zu der Screentechnik weil vielleicht nicht alle Hörer das genau wissen, was das ist?
00:28:50: Das ist nicht so ganz leicht, EMDR in zwei oder drei Sätzen zu erklären.
00:28:55: Also dieses EMDR steht für einen sehr komplizierten Namen Eye Movement Desensitization and Reprocessing.
00:29:03: und das ist vielleicht hat man das schon mal irgendwo gesehen im Fernsehen wenn eben die Therapeuten der Therapeut in der Regel vor dem Patienten, Patientin sitzt und eben mit den Händen Augenbewegungen vorgibt.
00:29:18: Und man während oder unter diesen Augenbelegungen das was passiert ist so ein Stück Ablaufen lässt vor dem inneren Auge und da eben vorher aber Körpergefühl Emotion Gedanke Das alles zusammen geführt hat.
00:29:33: und dann wenn sie sowohl fördert dass der Film wieder abläuft und Man Aber eben über diesen Moment Der maximalen Bedrohung ist das Gehirn in der dramatischen Situation ausgestiegen, da drüber hinweg geht und darüber dann eben realisiert okay jetzt und hier bin ich aber in Sicherheit.
00:29:56: Das ist jetzt sehr knapp, ich hoffe man kann es so ein Stück, kriegt man Idee davon?
00:30:02: Und bei der Screentechnik zum Beispiel, da geht es darum eben Teile oder auch da den Film, den man erinnert auf eine Leinwand zu projizieren in der Vorstellung und sich vorher alle möglichen Interventionen zu überlegen.
00:30:20: Wie kann ich diesen Film anhalten?
00:30:22: Umschalten?
00:30:24: Vorhangvorziehen vor die Leinband um eben intervenieren zu können selbst wirksam darauf eingehen zu können und auch da eben zu realisieren.
00:30:36: Da ist dieser, da läuft dieser Film.
00:30:39: aber ich sitze mit meiner Therapeutin hier eben im Jahr zwanzig sechsundzwanzig und wir sind ihm hier und jetzt und wir sehen diesen Film laufen und darüber eben dann das was geschehen ist zu integrieren und zu realizieren.
00:30:54: es ist vorbei.
00:30:56: Was sind denn in der therapeutischen Arbeit?
00:31:00: So die besonderen Herausforderungen.
00:31:02: Ich könnte mir vorstellen, es gibt ja auch vielleicht so was wie Rückfälle oder das Ganze kommt dann doch wieder mehr hoch.
00:31:11: Was wir eben schon angesprochen haben Scham und Schuld.
00:31:15: Wie sieht
00:31:15: es damit aus?
00:31:18: Also ich finde, dass auf die größte Herausforderung ist gerade wenn wir über die komplex traumatisierten Menschen sprechen.
00:31:26: Dass sie häufig nachvollziehbarer Reise natürlich mit einem hohen Misstrauen in die Behandlung kommen.
00:31:33: Dass Sie einfach Angst haben sich einzulassen, Angst haben zu erzählen, sich gar nicht vorstellen können das Menschen es wirklich eben gut mit ihnen meinen und sie wirklich Unterstützung bekommen und da erst mal hinzukommen, dieses Vertrauen aufzubauen ausreichend Transparenz herzustellen mit dem was mache ich.
00:31:55: Dass eben dieses Vertrauen aufgebaut werden kann das ist aus meiner Sicht oft eine der größten Herausforderungen.
00:32:02: Und dann ist eben das Thema Schuld oft auch.
00:32:06: oder Schuld ja entweder wenn es tatsächlich eine reale Schuld gibt.
00:32:12: Das haben wir natürlich auch Wenn gerade bei den Akut Traumatisierten im Erwachsenenalter, dass ich meinetwegen vielleicht einen Autounfall hatte wo ich durch menschliches Versagen oder tatsächlich vielleicht auch Schuld auf mich geladen habe was es aber ja dennoch nicht weniger traumatisierend macht.
00:32:31: Das hat man ja nicht mit Absicht gemacht.
00:32:33: in der Regel da ist es oft schwierig dran zu kommen weil diese Schuld diese Schuldgefühle oder dann eben auch das mir geht's nicht gut So ein Stück Sühne bedeutet für das, was da passiert ist und dass es oft schwer da Bewegung reinzukriegen und wirklich Besserung zu erzielen.
00:32:56: Und bei den komplex traumatisierten Menschen Schuldgefühle sind auch oft langwierig einfach und nicht so leicht da wirklich eben auch Veränderungen reinzubekommen, weil Schuldgefühle und Machtgefühler ein bisschen reduzieren.
00:33:16: Wenn ich an etwas schuld bin dann hätte ich auch Möglichkeiten es zu verändern.
00:33:22: Und dann fühle ich mich nicht so unmächtig und ohne Macht ist das Schlimmste!
00:33:28: Da ist oft einfach mehr Zeit nötig um die Veränderung zu erreichen.
00:33:36: Wie lange dauert so ein Prozess?
00:33:39: Natürlich wird es immer sehr individuell sein, aber wenn Sie sagen, wir gehen mal von einem typischen Fall aus wie Sie ihn vielleicht auch an der Klinik erleben.
00:33:49: Wie lange braucht das in der Klingel bis man wieder quasi im Alltag auf einigermaßen symptomfrei funktioniert oder kann man das gar
00:34:01: nicht sagen.
00:34:02: Also man muss auf jeden Fall schon mal sehr unterscheiden zwischen dem Monotrauma im erwachsenen Alter, wo vorher nie irgendwas gewesen ist.
00:34:11: Da kann es gut sein dass ich mit fünf bis fünfzehn Sitzungen Symptomfreiheit herstellen kann und also das ist wieder gut.
00:34:21: Oft ist es ja sogar so dass die Menschen eben auch... durchaus Selbstheilung so aktivieren können, dass sie eigentlich gar keine große Therapie brauchen.
00:34:31: Aber innerhalb von einem Jahr selbst wenn jemand jetzt vielleicht nicht sofort Unterstützung bekommen hat sondern es ist schon ein bisschen chronifiziert, können wir da oft große Fortschritte bis hin zur Heilung erreichen.
00:34:44: Bei den Menschen wo es in der Kindheit über einen längeren Zeitraum Traumatisierung gegeben hat, dauert das in der Regel deutlich länger, auch da kommt es sehr darauf an.
00:34:57: Kommt jemand mit zwanzig oder kommt jemand mit fünfzig?
00:35:02: Wie lange hat man schon irgendwie damit sich irgendwie arrangiert und hat vielleicht sich durchgekämpft sozusagen.
00:35:13: aber das ist keine Seltenheit dass es durchaus auch fünf bis zehn Jahre alles dazwischen dauert weitestgehend symptomfrei leben
00:35:26: kann.
00:35:29: Wir sind jetzt mal kurz abgebogen von diesen drei Phasen, Stabilisierung und Konfrontation.
00:35:35: Vielleicht sagen Sie noch einmal ein bisschen was zu der letzten Phase?
00:35:40: Ja oft ist es ja so dass die Menschen wenn sie in Behandlung kommen gerade eben die komplex traumatisierten sich gar nicht vorstellen können das das jemals wieder anders sein kann und deswegen auch gar nicht sich vorstellen können, wie da eine Perspektive wo sie sich einen Beruf zutrauen würden oder wo Sie sich Familie zutrauen würden.
00:36:03: Das gar nicht in Ihrem Horizont vorkommt weil das so weit weg wirkte dass sie sich das gar nicht vorstellen können.
00:36:12: Und das ist eben etwas was wir natürlich nicht erst am Ende der Therapie mit reinnehmen.
00:36:18: Deswegen kann man auch nicht sagen, dass man diese Phasen so eine nach der anderen abarbeitet sondern gerade die Neuorientierung dieser letzte Phase nehmen wir schon eigentlich immer sehr früh auch mit rein um überhaupt zu wissen wofür weil es ist ja auch nicht immer leicht, sich dann mit diesen Dingen wieder auseinanderzusetzen und sich damit zu beschäftigen.
00:36:40: Und da muss ich schon wissen wofür mache ich das denn eigentlich?
00:36:43: Und wo will ich hin genau?
00:36:45: und diese Perspektive zu entwickeln und die auch greifbar zu machen ist natürlich dann schon auch früher am Anfang in der Therapie wichtig um da die Hoffnung auch wieder herzustellen dass das auch erreichbar ist.
00:37:00: Und da will ich hin und darauf arbeite ich hin.
00:37:03: Das ist das Ziel sozusagen, dass es ein wesentlicher Teil dieser Neuorientierung
00:37:08: ist.
00:37:09: Vielleicht bevor wir so in den anderen Bereich weitergehen zu angehörigen Gesellschafts schick mal Teil.
00:37:16: nochmal
00:37:16: eine Frage
00:37:18: weil das ja
00:37:18: auch vielfach
00:37:20: Thema ist was man dann gesellschaftlich hört.
00:37:23: Was sind die besonderen Herausforderungen, wenn es um Traumata bei Kindern geht?
00:37:28: Die also wirklich in ihrer Kindheit was erlebt haben.
00:37:30: Was ja nochmal irgendwie noch mal viel schlimmer ist, weil das sind so schützenswerte kleine Menschen, die dann auch noch irgendwas besonders Schlimmes erleben denken an Gewalt oder häusliche Gewalt- oder Bindungsstörung.
00:37:43: Inwieweit wirkt sich das auf die aus?
00:37:46: wie... Also auch auf spätere Beziehungen
00:37:49: unter Umständen?
00:37:52: Also das ist ja im Grunde genommen, dass was in der Regel eben bei den Menschen passiert ist.
00:37:58: Bei denen wir von einer komplexen Traumverfolgestörung sprechen.
00:38:01: und das Problem ist natürlich, dass je früher im Leben uns so etwas trifft oder wir solchen Situationen ausgesetzt sind umso mehr verändert es natürlich auch unser ganzes inneres Gefüge.
00:38:16: Wir müssen noch ganz viel lernen wenn wer auf die Welt kommen muss.
00:38:23: Wir müssen innere Bilder entwickeln von Beziehungen, wir müssen innre Bilder entwickeln von dem was bin ich wert?
00:38:30: Was kann nicht?
00:38:32: Was habe ich verdient in diesem Leben?
00:38:35: und wenn all diese Dinge je nachdem was die Kinder erleben eben nicht positiv beantwortet werden.
00:38:44: Und ich mit dieser Überzeugung Aufwachse und auch mit so einer Überzeugung, wenn ich Gewalt erfahre.
00:38:52: Wir kommen auf die Welt erst einmal und sind ja sehr maximal abhängig gewesen.
00:38:56: Wir können ja gar nichts alleine.
00:38:59: Und das heißt wir werden auch mit einem Instinkt geboren dass die Welt um uns herum gut ist weil es wird ja kein Mensch aushalten ausgeliefert zu sein in eine Umgebung die nicht gut zu mir ist.
00:39:13: Aber wenn die alle gut sind, dann kann es ja nur an mir liegen, wenn sie mich aber nicht gut behandeln, wenn ich das irgendwann realisieren und daraus entsteht natürlich ganz viel Persönlichkeit, die eben einfach geprägt ist von dieser Überzeugung mit mir stimmt was nicht und ich bin nicht in Ordnung und ich Bin nicht gut so wie ich bin Und Das is ein Weg!
00:39:37: Das ist alles veränderbar korrigierbar und das ist auch in Beziehung, auch in therapeutischer Beziehungen korrigirbar.
00:39:48: Aber deswegen ist gerade in der Traumotherapie der Beziehungsaspekte so wichtig weil wir sprechen auch von der korrigierenen Bezieherfahrung die ich
00:39:58: mache,
00:39:58: weil es aber meine Erfahrung mit mir korrigiert und ich dann mich wieder ganz anders eben auf Beziehenden einlassen kann also in der gesamten Struktur eines Menschen massive Einfluss, wenn so früh so schreckliche Dinge passieren.
00:40:20: Ja ich meine da gibt es natürlich noch viel zu sagen denn einfach auch gesellschaftliche Themen.
00:40:26: wie können wir verhindern dass sowas nicht mehr geschieht oder weniger geschieht und was kann man dann alles zu tun?
00:40:33: Werfen wir mal einen Blick auf das Thema der Angehörigen.
00:40:37: Was können denn Angehörige tun?
00:40:39: Also was nehmen die unter Umständen wahr, aber was können sie auch tun um den Betroffenen zu unterstützen.
00:40:47: Da müssen wir jetzt glaube ich auch noch mal sehr differenzieren zwischen dem was passiert uns im Erwachsenenalter und wie geht es der Umgang mit Menschen von denen vielleicht weiß dass in ihrer frühen Biografie etwas passiert ist.
00:41:07: Wenn wir erstmal so diese die Menschen nehmen im erwachsenen Alter, die vielleicht eben ein Monotrauma erlebt haben dann ist es wichtig insbesondere das was wir letzten Endes auch in der Therapie vor allen Dingen tun selbst Wirksamkeit zu vermitteln und den Menschen den Raum zugelassen denen sie brauchen um jetzt eben wieder gut für sich sorgen zu können.
00:41:33: Wie kann ich mein Sicherheitsgefühl wiederherstellen und wie kann ich eben meinen Selbstwirksamkeitserleben wieder herstellen, um das gut zu beantworten.
00:41:42: Und so viel... zu unterstützen, diese Sicherheit wieder herzustellen wie nötig.
00:41:48: Aber auch nicht so viel und ihnen zuviel abzunehmen und ihnen das Gefühl zu geben jetzt kann ich eigentlich gar nichts mehr
00:41:55: alleine.".
00:41:56: Das ist glaube ich ein ganz wichtiger Schritt und einerseits zur Verfügung stehen und da sein aber auch den Raum lassen.
00:42:06: Das ist eine ganz wichtige Haltung für diejenigen drum herum Wenn ich mitbekomme, die nächsten Angehörigen sind oft nicht diejenigen, die Ansprechpartner sind oder die es wahrnehmen, dass es eben frühe Traumatisierungen gegeben hat.
00:42:29: Sondern das ist ja dann oft eher so, wenn ich meine Partnerin, mein Partner, wenn Ich das realisiere, wenn da ist irgendetwas gewesen... Und wie kann ich das am besten unterstützen?
00:42:42: Und auch da ist es eben schon, wenn diese Menschen das große Glück haben dass sie schon in einer Partnerschaft in eine Umgebung sind wo es wahrgenommen wird und wo eben auch eine solche korrigierende Beziehungserfahrung gemacht werden kann.
00:43:01: Leider ist es ja oft so dass Menschen die sehr früh diese schlimmen Dinge erlebt haben auch später wieder in Beziehungen landen, die nicht gar nicht mal so gut tun.
00:43:13: Aber wenn es denn so ist dann ist es eben auch da gut diese gute Mittelmaß zu finden zwischen einerseits unterstützen und auf der anderen Seite aber nicht klein machen und zu viel abnehmen viel Transparenz in dem was ich tue, wie ich es mache.
00:43:38: Das vielleicht eben ein hohes Misstrauen verstehen weil die Erfahrung einfach so war und da muss ich mich vielleicht einmal mehr erklären als sich das mit jemandem müsste der diese Erfahrungen nicht gemacht hat.
00:43:52: und also das Beste in einen guten Austausch zu kommen und verlässlich auch eben dem, das zu beantworten was der die andere sich eben wünscht.
00:44:06: Gibt es auch Fälle in denen sie die Partner-Partnerinnen oder Angehörigen mit in die Therapie einbeziehen?
00:44:14: Wir machen es eher selten weil wir grundsätzlich ja eben auch bei Erwachsene behandeln und für viele ist es wichtig dass jetzt in der Klinik, dass das ihr Raum ist, den sie für sich alleine nutzen können.
00:44:32: Und das Thema Partnerschaftsbeziehungen fließt natürlich ein und es gibt das durchaus auch, dass wir Familiengespräche oder einzelne Paargesprächen machen aber in der Regel ist es der Raum für die Patientinnen und Patienten in der klinik.
00:44:48: im ambulanten Bereich ist das oft ein bisschen anders.
00:44:52: da macht man auch schon häufiger mal mehrere Sitzungen dann eben mit Partnerin oder Partner, aber immer nur so wie es gewünscht ist von den Patienten.
00:45:06: Weil das Wichtigste für uns ist wir sind die vertrauensvolle Beziehung und die wird auch mit allem was wir haben geschützt Und das ist auch klar, dass immer nur Kommunikation direkt stattfindet und nie überangehörige.
00:45:24: Daher kann man sich immer hundert Prozent darauf verlassen.
00:45:27: Und diese Verlässlichkeit – das ist ein wesentlicher
00:45:29: Faktor!
00:45:32: Wie nehmen Sie denn den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema Trauma und Traumavolgestörung
00:45:37: wahr?
00:45:39: Also einerseits wenn ich denke in der zwanzig Jahren mache ich Traumatherapie.
00:45:47: Dabei war schon nicht mehr die Anfänge.
00:45:54: Da hatte sich viel entwickelt und es war zunehmend auch ein bisschen anerkannt, aber es musste sehr darum gekämpft werden.
00:46:03: Es war ein Thema was die Gesellschaft nicht unbedingt so gerne haben wollte weil es viele Konsequenzen natürlich hat wenn man sich da Gedanken macht beim Menschen durchaus eben auch gesundheitliche Schäden verursachen kann.
00:46:20: Und das hat sich deutlich gebessert, das ist noch nicht weg aber es hat sich gebessert und wir haben damals schon uns auch viel Gedanken darum gemacht.
00:46:31: dass machen wir denn eigentlich wenn Trauma irgendwann mal inflationär wird?
00:46:37: und so ist es jetzt nicht.
00:46:39: Aber es gibt es durchaus, dass es auch Strömungen gibt wo Sie haben das Eingang schon gesagt.
00:46:45: Plötzlich ist alles irgendwie Trauma und selbst... Also natürlich kann man belastende Situationen erleben und es gibt viele Belastungen in unserem Leben.
00:46:56: aber deswegen sind es noch lange nicht wirklich auch traumatisierende Situation Und die Gefahr besteht schon und da müssen wir gut aufpassen.
00:47:05: deshalb müssen wir eben sehr sauber Diagnostik machen und sehr genau hingucken.
00:47:11: Ist es eine Belastung oder ist es wirklich ein potenziell traumatisierendes
00:47:15: Erreignisse?
00:47:16: Ja, ich finde auch so diese Tendenz zu lapidar mit diesem
00:47:19: Begriff
00:47:20: um an da zu schmeißen wie auch mit Schizophrenie oder sonst solchen Begriffen ist hier mal... Da ist mal Vorsicht geboten.
00:47:28: also denn der Mensch der das wirklich hat der kann sich auch dadurch stigmatisiert fühlen, dass man dann sagt oh ich bin jetzt traumatisiert heute Morgen war ein Limonbrötchen
00:47:38: aus.
00:47:41: Das ärgert mich dann wieder weil das macht eine andere Form von Stigma und Problemen und Thema auch.
00:47:54: Was würden sie sich denn vielleicht wünschen oder welche Rolle spielen?
00:47:58: Auch soziale Medien öffentliche Diskussion also Vielleicht ergänze ich noch so ein bisschen.
00:48:07: Ich teile Ihre Ansicht total, dass wir in vielen Bereichen ja in den letzten zehn, fünfzehn Jahren eine deutliche Enstigmatisierung erlebt haben.
00:48:15: damit auch eine Öffnung.
00:48:16: viele Menschen gehen eher zum Arzt, zum Facharzt suchen sich Hilfe
00:48:22: Aber
00:48:23: es schießen natürlich auch so ein paar Gewächse ins Kraut, gerade auch in den sozialen Medien wo Hilfe angeboten wird.
00:48:31: Wo ich manchmal so denke, ja
00:48:33: also das ist jetzt
00:48:33: alles überhaupt nicht mehr seriös
00:48:35: und
00:48:36: da wird's dann total schwierig finde ich oder wo auch Artikel erscheinen die dann irgendwelche Hilfe versprechen mit irgendwelchen Supplements oder so, wo ich dann so denke naja und wenn du dann in deiner Verzweiflung da sitzt aus Scham nicht den Weg zum Arzt findest, ist das natürlich sicherlich
00:48:56: der falsche?
00:48:58: Ja also das glaube ich war auch das erste was mir gerade so einfiel als sie das gefragt haben.
00:49:03: Dass es gibt eben in den sozialen Medien natürlich viele Heilversprechen zum Teil dann eben auch, wo Methoden vorgestellt werden.
00:49:16: Wo Methoden öffentlich auch gezeigt werden, wo ich denke um Gottes Willen also das ist jetzt damit tun die Menschen sich überhaupt keinen gefallen.
00:49:27: es ist eher etwas was Ich bin sonst ja immer.
00:49:31: Ich finde es wichtig, dass wir unterscheiden zwischen einer Reaktualisierung und einer Retraumatisierung.
00:49:38: Aber das sind durchaus Dinge die man zum Teil da sieht, die wirklich auch retraumatisierend sind.
00:49:45: Und wo es oft aber für die Menschen echt schwer ist zu unterscheidigen... Und wo uns als Traumatherapeuten auch oft die Möglichkeiten fehlen, den Überblick zu behalten.
00:49:57: Was ist da eigentlich?
00:49:58: Also was gibt es da alles?
00:49:59: Was wird da alles angeboten?
00:50:00: Wo finden die Menschen zum Teil eben auch vermeintliche Hilfe?
00:50:05: und ich würde mir wünschen dass das ein bisschen mehr reglementiert werden würde, dass es da ein bisschen eher Empfehlungen zumindest vielleicht irgendwie geben würde Was aber natürlich schwer ist, was nicht in Sicht ist sozusagen.
00:50:23: Das ist schon ein echtes Problem.
00:50:25: Und die KI befeuert das ganze Thema
00:50:27: noch mal?
00:50:27: Ja kann sie!
00:50:28: Also es gibt durchaus auch... Apps oder Unterstützungsprogramme, die durchaus sinnvoll sind.
00:50:37: Gerade in dem Bereich wenn Scham und Schuld eine Rolle spielen wo Menschen sich trauen einen Akkaivers zu erzählen was sie einem realen Menschen nicht erzählen würden.
00:50:45: also ich will es gar nicht generell verteufeln aber das ist natürlich wichtig dass es wirklich gut kontrolliert begleitet ist, sozusagen das würde man sich wünschen dass es eben wenigstens irgendwie begleitet wird.
00:51:02: Was sind Erlebnisse in ihrer therapeutischen Arbeit wenn sie wirklich sagen ja ich nenne das jetzt mal so eine Erfolgsstory Das macht mir Mut und
00:51:13: Hoffnung.
00:51:15: Ich bin mehr oder weniger nicht geplant, sondern so ein bisschen unverhofft zu diesem Thema
00:51:22: Trauma gekommen.
00:51:23: Ich habe bevor ich in die psychosomalische Medizin gewechselt bin, innere Medizin gemacht.
00:51:27: und am Anfang in der psychosomatischen Medizin habe ich mir oft gewünscht, ach könnte ich doch nochmal einmal einfach jemand kommen mit Luftnoten und man gibt einen Medikament und es wird besser und man dauert nicht alles irgendwie solange!
00:51:41: Und in der Traumotherapie hab' ich das ein Stückchen gefunden weil durch kurze Intervention, durch bestimmte Erklärungen.
00:51:53: Durch ein Aufklären über das was da gerade passiert und schon einfach so viel Besserung entstehen kann dass das einfach etwas ist was mir immer viel Freude gemacht hat.
00:52:08: was ich auch wirklich, wenn man sieht eben wie Menschen hoch misstrauisch und vielleicht sozial total zurückgezogen in Behandlung kommen.
00:52:18: Und sich als gelingt eine Beziehung aufzubauen und ihnen wieder so ein bisschen Vertrauen zurückzugeben und sie das dann für sich zunehmend entwickeln können Dann ist es einfach etwas, was viel Freude macht.
00:52:32: dabei zuzugucken und auch zu sehen dass es auch was muss hat mir immer sehr viel gegeben, in der Behandlung zu sehen wie viele Menschen unter welchen Bedingungen die aufgewachsen sind was sie erlebt
00:52:48: haben.
00:52:48: Wie
00:52:49: schwer das alles war für diese Menschen und was die geschafft haben daraus zu machen Und wie weit sie gekommen sind auch wenn Sie jetzt vielleicht Therapie brauchen aber was sie schon alleine geschafft haben und selber gar nicht mehr.
00:53:04: Das sind auch so Dinge wo ich meinen Hut vorziehe und die ich immer mit großer Freude sehe.
00:53:11: Und dann auch, wo man mit wenig Intervention darauf aufmerksam machen kann und darauf hinweisen kann Mensch guckt doch was du alles geschafft hast und das wo du stehst.
00:53:23: Das sind so Sachen, das sind Highlights.
00:53:28: Kann ich gut nachverziehen.
00:53:30: Jetzt stelle ich ja in vielen Podcasts, wenn ich mit Experten spreche immer gerne auch mal die Frage nach der Prävention.
00:53:36: Die ergibt sich hier nicht wirklich weil das Traumaergnis ja nicht geschieht wie bei den anderen Sachen.
00:53:43: aber was ist denn... Was sind Schutzfaktoren?
00:53:48: Also ich meine da... Das ist klar, Steilvorlage setzt jetzt die Resilienz.
00:53:52: Aber
00:53:53: was tue ich
00:53:54: also?
00:53:54: was
00:53:54: ist ein Schutzfactor?
00:53:56: Also einer oder der wesentliche?
00:53:59: oder doch der Faktor, der die meiste Aussagekraft darüber hat ob eine Ereignis potenziell traumatisierend wird.
00:54:09: Oder nicht ist die soziale Unterstützung.
00:54:13: Und das heißt also, je mehr soziale Unterstützung ich habe und das heißt wenn sie so wollen präventiv im Teufelsfall, je besser ich sozial eingebunden bin und soziale Unterstützungen auch wahrnehmen kann.
00:54:27: Manchmal ist sie ja da aber ich nehme sie nicht wahr.
00:54:31: Umso eher werde ich aus potenziell traumatisierenden Situationen heil rauskommen.
00:54:38: Jetzt ist natürlich das Problem dass gerade wenn Sie früh traumatisiert sind etwas ist, was ihnen schwer fällt.
00:54:46: Das heißt also aber da anzufangen und das zu unterstützen und in Beziehung zu kommen und ein soziales Umfeld zu haben und daran in erster Linie zu arbeiten sich da gut aufgehoben zu fühlen.
00:55:00: und dabei geht es nicht um die Menge sondern es geht um die Qualität dessen was ich an Sozialkontakten habe.
00:55:07: Das ist ein ganz wesentlicher
00:55:09: Faktor.
00:55:13: Also wir kommen langsam zum Ende.
00:55:15: Was möchten Sie den Hörerinnen, vielleicht Betroffenen, vielleicht Angehörigen mit auf den Weg geben?
00:55:24: Auch vielleicht noch mal wo sie Hilfe finden können oder suchen sollten?
00:55:33: Das eine ist eben das wirklich... Ja, ich jedem nur wünschen kann eben so den Mut aufzubringen tatsächlich darüber zu sprechen in fachärztlicher oder fachtherapeutischer im fachterrapeutischen Kontext.
00:55:54: Weil es wirklich auch wenn es schon
00:55:56: lange
00:55:57: her ist und auch wenn das schon lange besteht
00:56:01: absolut gut
00:56:03: behandelbar ist und Dinge sich verändern können, auch auf einen guten Weg kommen können.
00:56:08: Egal wie lange sie schon bestehen es gibt einfach wirklich viele gute Behandlungsmöglichkeiten.
00:56:13: und da nicht den Mut zu verlieren um sich auf den Weg zu machen und tatsächlich Durchhaltevermögen zu haben.
00:56:21: aber das ist schwer oder es dauert oft lange eben ein Therapieplatz zu finden.
00:56:29: Aber es lohnt sich, da wirklich den langen Atem zu haben und dran zu bleiben weil es wirklich vieles verändern kann.
00:56:40: Und ja das schnelle und ich würde wünscht ich könnte sagen machen sie dies oder jenes dann finden Sie schnell einen Platz!
00:56:47: Das ist leider nicht die Realität sondern man kann wirklich nur sagen dass durchhalten und das dranbleiben Es sich wert sein, diesen Weg zu gehen.
00:56:58: Das ist glaube ich so das Wesentliche.
00:56:59: Vielleicht auch nach ein paar Alternativen zu suchen wie Gruppentherapeutisch und dann ist der Platz gefunden?
00:57:04: Ich bin jetzt bewusst nicht auf das ganze Drama der Versorgungslage eingegangen was wir ja da überall haben im Moment noch mit vielen anderen Diskussionen wegen der Kürzung der Sätze aber weil jetzt nochmal ein Podcast,
00:57:18: den wollte ich jetzt gar nicht
00:57:19: aufmachen.
00:57:20: Was auch noch denke ist Selbsthilfegruppen
00:57:22: sind ja
00:57:23: immer ein Aspekt oder Gruppen also irgendwelche Kontexte zu suchen.
00:57:27: Sie hatten das im Zusammenhang mit der Klinikerwählenden die gut tun können sei es jetzt vielleicht auch körpertherapeutische Arbeit Gruppen kunstherapeutischer Arbeit die ja vielleicht auch mal ein erster Anfang sein kann während ich das andere weiter
00:57:41: verfolgen.
00:57:43: selbsthilfe gruppen sehe bisschen kritisch dann, wenn sie... Also dass es gibt tolle Selbsthilfegruppen die wirklich gut strukturiert und organisiert sind.
00:57:53: Und
00:57:54: wo
00:57:55: auch Menschen dabei sind, die sich schon gut auskennen und auch gut steuern können.
00:58:00: Ansonsten das ist aber auch wichtig weil eben alleine darüber reden.
00:58:08: Nicht das ist was uns weiter hilft, sondern dass oft eher das Ganze tatsächlich schwieriger macht und ich dann wenn das in Gruppe viel geschieht, ich unter Umständen nicht nur mit meinen eigenen
00:58:19: belastenden
00:58:20: Bildern, sondern auch noch mit den Bildern der anderen nach Hause gehe und das ist eben nicht hilfreich.
00:58:25: Deswegen muss man sich gut angucken und die Gruppe sich gut
00:58:29: anschauen.
00:58:30: Das heißt es muss da jemand geben, der genau um diese ganzen Bedingungen weiß und das auch so anleitet, dass es konstruktiv
00:58:39: verläuft.
00:58:39: Und eben nicht
00:58:42: quasi die Sache schlimmer
00:58:43: macht
00:58:44: als vielleicht noch mal.
00:58:45: ganz wichtiger Hinweis dazu Wir stellen unseren Gästen ja immer am Schluss die Frage was sie für sich selber tun?
00:58:52: Was mich, was mir die ganze Zeit durch den Kopf geht ist sie sagen Sie
00:58:55: machen das jetzt zwanzig Jahre.
00:58:57: Ich gehe davon aus, dass sie viele schlimme Geschichten gehört haben die man sich manchmal gar nicht vorstellen mag.
00:59:07: Was tun Sie denn für sich, damit sie das nicht alles
00:59:09: mit nach Hause nehmen?
00:59:11: Das ist tatsächlich etwas, was wir auch ... Ich hatte das große Glück, sagen wir mal so, dass ich damit angefangen habe.
00:59:20: Eine Oberärztin hatte, die da sehr viel Wert drauf gelegt hat von Anfang an, die sogenannte Psycho-hygiene sehr zu unterstützen und zu gucken, okay, was machst du wenn du die Klinik verlässt?
00:59:32: Also mich wirklich sehr angehalten hat, ganz aktiv ein Hobby zu suchen wo man eben einfach abschaltet in einer schönen Umgebung ist und schöne Dinge erlebt.
00:59:43: Ganz bewusst!
00:59:45: Und nicht nochmal wieder irgendwie neu irgendwelche anderen Dinge macht.
00:59:48: Das hat sich im Laufe der Jahre geändert aber ich versuche viel mich an der frischen Luft in schöner Umgebungen zu bewegen.
00:59:56: das sind so Dinge die mich gut abschalten lassen Menschen zu suchen und in die Sozialkontakte gutzuhalten, um gute Erfahrungen mit Menschen zu machen.
01:00:09: Um da was dagegenzusetzen gegen diese vielen schlechten Erfahrungen, die Menschen ihnen auch machen können.
01:00:15: Finde ich aber, umso dankbarer kann man sein dass es Menschen wie Sie gibt, die sich darum kümmern und die dann auch noch bereit sind, mit uns einen Podcast zu machen um ein bisschen darüber
01:00:24: aufzulernen.
01:00:25: Ganz ganz herzlichen Dank liebe Frau Schulthals!
01:00:27: Ich fand das war ein ganz spannendes Gespräch, habe nochmal viel gelernt
01:00:31: über
01:00:31: das Thema Trauma- und Traumavollbestörung Und wir gehen jetzt bei Rätselig in die Sommerpause
01:00:38: wünschen
01:00:38: ihnen einen schönen sonnigen
01:00:40: Sommer
01:00:42: und danach geht es weiter mit dem Thema
01:00:44: KI und Psyche Bis bald bei Rädselig.